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Bisher gehörte ich wohl eher zu den Gewinnern. Auch wenn ich fast 10 Jahre Single war, weil ich an einem Mann hing, der mich nicht als Partnerin wollte. Aber beruflich lief es. Selbst beim letzten Mal, wo ich wegen einer Kündigung schnell etwas Neues brauchte, fand ich es rechtzeitig und war nicht einen Tag ohne Job. Leider einen Job, der mich sehr langweilt. Dadurch bin ich nicht gut, denn um gut zu sein, brauche ich Motivation.
Anfang des Jahres schien alles besser zu werden : Endlich kam wieder ein realer Mann in mein Leben. Wir hatten eine sehr enge Beziehung, aber es war schwierig, weil wir so unterschiedlich waren. Mitte August hat er es schlagartig beendet. Er sah keine Perspektive – wohl auch wegen der anderen, die er getroffen hatte. Ich war schockiert. Wenn auch nicht so traurig seinetwegen – so groß waren die Gefühle nicht.
Leider hatte ich davor zu oft auf ihn gehört und eine neue Stelle abgelehnt, in der ich möglicherweise glücklich geworden wäre, die mir mehr entsprach. Stattdessen setzte ich auf eine Verbeamtung, zu der es jetzt aber nicht kam wegen eines Verfahrensfehlers. Dazu kommt ein sich ständig verschlechterndes Verhältnis zum Chef. Gestern habe ich vor lauter Unsicherheit bei einem Vortrag ein Blackout gehabt. Vor mir liegt so viel Arbeit. Ich fühle mich total überfordert, weiß nicht, wie ich das noch länger im Job aushalten soll. Große Projekte stehen bevor, und ich habe kein Vertrauen mehr in meine eigenen Fähigkeiten. Am liebsten würde ich kündigen, aber meine Existenz will ich nicht gefährden.
Vermutlich ist die Situation gar nicht dramatisch, aber mein Gefühl ist, dass es immer weiter bergab geht.
Ich bin sogar versucht, mich zum Trost wieder auf den Mann einzulassen, der mich schon 5 Jahre gekostet hat, obwohl er gebunden ist. Ich weiß nicht weiter und hoffe, dass ich bald die Talsohle erreiche. Im Moment ertrage ich es kaum.