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Mein Gott, was für ein tolles Leben ich hatte! Mein grösstes Problem war, dass ich nicht mehr so schlank war wie früher, dass meine vielen Designerklamotten nicht mehr passten und welches Auto ich mir dann irgendwann kaufen würde. Also nicht ich, mein Mann würde das dann wohl bezahlen, wie alles, was ich mir kaufte, ohne gross nachzudenken. Ich hatte alles, was ich mir wünschte und nun sollte auch noch unser Traumhaus realisiert werden. Da mein Mann Architekt ist, sogar ein sehr guter, habe ich mir selten Gedanken gemacht, ob wir das auch stemmen könnten. Die Auftragsbücher waren voll, die Wettbewerbe wurden gewonnen, vier in einem Jahr und innerlich war ich ziemlich stolz auf ihn. Dann, vor 2 Jahren auf Mauritius kam mein Mann mir plötzlich irgendwie verändert vor, in sich gekehrt und ständig am Arbeiten. Und ausserdem büffelte er mit meiner Tochter für deren Gymnasiumprüfung, die unmittelbar nach den Ferien anstand. Wir waren auf einer Trauminsel, im Traumhotel und haben de Anlage nicht einmal verlassen, weil er ständig am Labtop hing. Ich beklagte mich zwar, fand es aber nicht so schlimm, wir waren ja schon mal dagewesen und hatten die hot spots gesehen.
Zurück aus den Ferien fing es an: unsere so kluge und gescheite Tochter vermasselte die Prüfung. Nicht schlimm, machst sie nächstes Jahr. Aber sie litt sehr darunter, für sie war es das erste Mal, dass etwas nicht so lief, wie sie es wollte.
Dann ein erstes Mal, dass ein gewonnener Architekturwettbewerb nicht gebaut werden konnte, weil sich ein Gegenkomitee gebildet hatte, das so machtvoll war, dass der Bau auf Eis gelegt wurde. Auch nicht schlimm… Die Wochen vergingen, dann der nächste Hammer. Wettbewerb gewonnen – Bau von Einzelpersonen vereitelt. Und so ging es nun weiter. Ein Schlag nach dem anderen. Das einzige was noch lief, waren die Unkosten. 30 Angestellte und plötzlich keine Aufträge mehr. Natürlich wurden Leute entlassen, Löhne gekürzt und auf Sparflamme gehaushaltet.