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Glaube versetzt bekanntlich Berge. Diese Erfahrung durfte ich vor über 24 Jahren machen. Damals lag ich auf der Intensivstation. Aufgrund der Einnahme einer Malariaprophylaxe erkrankte ich am Lyell-Syndrom, eine lebensgefährliche Reaktion auf eine Medikamentensubstanz. In der Folge bilden sich großflächige Brandblasen, die Haut löst sich in Fetzen ab. In vielen Fällen endet die Krankheit tödlich. Ich verlor die gesamte Haut, Nägel und Haare. Meine Überlebenschancen standen denkbar schlecht. Die Ärzte hielten es für höchst unwahrscheinlich, dass ich bei einer derart ausgedehnten Ablösung der Haut, nur die geringste Aussicht auf Genesung hätte.
Die Angst, dass ich nicht überlebte, die ich bei den anderen wahrnahm, stand im krassen Gegensatz zur Sicherheit, die ich in meinem Innern erlebte. Die Frage zu sterben, stellte sich gar nicht. Es war für mich ohne jeden Zweifel klar, dass ich es schaffte. Selbst der schreckliche Anblick meines Körpers, der sich regelrecht aufzulösen schien und einer einzigen, blutenden Wunde wich, noch die qualvollen Schmerzen, die ich wahrnahm, konnten mich von der Überzeugung abbringen, dass ich überlebte.
Ich wuchs über mich hinaus, machte das Unmögliche wahr. Ich kehrte zurück ins Leben mit der Erkenntnis, dass viel mehr Kraft in uns steckt, als wir für möglich halten. Es ist der Glaube an sich selbst und die Kraft der positiven Gedanken, die Berge versetzen kann. Am Tiefpunkt meines Lebens hatte ich ein zweites Leben geschenkt bekommen und mich dazu.
Auch, wenn mich die Spätfolgen mein Leben lang begleiten werden, bin ich unendlich dankbar, überlebt zu haben. Meine Krankheit hat mich Demut vor der Schöpfung und dem Leben gelehrt. Heute arbeite ich als Kunsttherapeutin und schreibe Bücher. Zu erleben, dass ich mit meiner Geschichte vielen Menschen Kraft und Mut geben kann, gibt dem Leid, das ich damals erfuhr, eine tiefe Sinnhaftigkeit und hat in mir die Überzeugung gestärkt, dass in jedem Schicksalsschlag eine gewaltige Chance steck