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Mein Lebenstraum-Märchen: Ein Mädchen, dass auf dem Feld die Kartoffeln einsammelte, wünschte sich so sehr irgenwann raus aus diesen Kartoffelhosen zu steigen und ein schönes Mädchen in einem schönen Kleid sein zu können. Doch neben den Kartoffeln gab es Rüben und Heu und Stroh und Kühe und Schweine und den Haushalt, was alles erledigt und geerntet werden wollte. Dazu gabe es eine Mutter die immer wieder sagte “ohne Fleiß keinen Preis”, “Morgenstund hat Gold im Mund”, “Von Nix kommt Nix” usw. Und es gab einen Vater der nur die Arbeit erfunden hatte, geizig war und keinen Spaß und keinen Humor zuließ. Denn Arbeit ist schließlich kein Vergnügen. Und freie Zeit braucht man nicht! Und trotzdem ließ sich das Mädchen seinen Traum von Sauberkeit und Schönheit nicht verderben und hatte das große Glück eine Freundin zu finden, bei der das Leben anders war und jede Minute, die sie sich stehlen konnte, verbrachte sie mit ihr und ihren Eltern, denn dort wurde gelacht und geträumt und zugehört und geredet und ermuntert und gelobt. Und so wurden sie zu ihrer Verbündeten und Zweiteltern von denen sie sich geliebt fühlte und wodurch sie sich immer mehr zutraute, was anderes zu leben als in den Kartoffelhosen. Und trotzdem hatte sie das Gefühl aus diesem Käfig nie aussteigen zu dürfen, weil es Verrat gewesen wäre. Und so gingen die Jahre des Lebens dahin, bis sich eine ferne Arbeitsstelle auftat, die als Ausrede gut genug war, sich aus diesem Käfig zu befreien und ein neues eigenes Leben zu beginnen in einem wunderschönen Kleid…
Nun ist das Mädchen 50 und fühlt sich immer wieder schlecht, weil es gefühlt sein Leben nicht auf die Reihe kriegt. Sie hat soviel gemacht und geändert und doch fühlt es sich immer wieder Scheiße an: Kinderwunsch nicht erfüllt, Mann verlassen, Job gekündigt, Berufung gefunden mit mäßigem Erfolg, große Liebe gefunden, Wegzug und Neubeginn, immer wieder Existenzängste und Angst vor dem Versagen und Nicht-Gemochtwerden. FUCKed UP, und ich gebe nicht auf!