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Ich habe meinen “Fehler” schon während der Schwangerschaft gespürt. Für meinen Partner war nur noch das Kind sichtbar – ich habe ständig Vorwürfe wegen nichts bekommen, ich selbst war für ihn nur eine Hülle. Der Umzug stand an, tägliche Kontroll-Anrufe, Vorwürfe. Ich wurde depressiv. Wusste nicht wohin. Nach der Geburt wurde alles noch schlimmer. Ich war alleine mit dem Kind – ein Schreibaby, 24 Stunden an und auf mir – dann war er manchmal ruhig. Sonst geschrien bis zum Wahnsinn. Exzessiver Schlafmangel das ganze erste Jahr, Schmerzen. Mordfantasien. Selbstmordgedanken. Ich weiß heute nicht mehr wie ich das überlebt habe. Wenn ich gesagt habe, dass ich nicht mehr kann, bin ich zusammengeschissen worden. Bestenfalls kam ein “reiß dich zusammen, so ist das nun mal als Mutter”. Ich habe wieder angefangen zu arbeiten – wollte raus. Mein Mann hat aber seine Elternzeit nur für sich genutzt statt wie abgesprochen um mich zu entlasten und so bin ich total erschöpft im Mangel wieder arbeiten gegangen. Bis ich nach einem halben Jahr in einem Wutanfall tatsächlich die Kontrolle über mein Auto verloren habe und vor dem Baum gefahren bin. Ich habe es überlebt. Jetzt ist mein Sohn sieben und ich habe immer noch das Gefühl zu kämpfen und immer noch in der Scheiße zu stecken. Das ist im Moment das Schlimmste für mich. Nach so langer Zeit immer noch nicht raus zu sein. Ich strampel noch. Es geht aufwärts – Trennung vom Partner, Freunde, die da sind, ich übe mich in Achtsamkeit, tanze wieder. Aber ich kämpfe immer noch um “mein Leben”, um wieder die zu sein, die ich wirklich sein möchte und nicht nur die Sonja, die funktioniert, um für andere da zu sein. Es braucht wohl alles noch mehr Zeit als ich es je für möglich gehalten habe.

Vielen Dank für den Raum hier und dass es auch einfach mal scheiße sein darf und ich mich hier mal nicht “zusammenreißen muss”!