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Ich bin Lehrerin und unterrichte Klassen von Jahrgang 5 bis 10. In meinen Klassen sitzen kleine Geschenke. Sie sind wild, teilweise noch sehr frei und verhaltenskreativ. Ich komme an meine Grenzen. Die Schicksale der Kinder zu hören, zu sehen und zu begleiten bringt mich an meine Grenzen. Sie lechzen nach Extase, Grenzerfahrungen und Perspektiven. (Ich auch). Mich zerreist es innerlich, dass ich ihnen in diesem System begegne. Das Schulsystem produziert so viel Scham. Es kappt so viele Lebendigkeiten. Was soll ich meinen Schülern versprechen, wenn sie mit Mühe den ersten Schulabschluss schaffen und beim Zweiten komplett scheitern. Die Eltern machen Druck, in den Köpfen türmen sich die Barrieren. Eine Schülerin sitzt vor mir und sagt, sie könne sich nicht auf den Unterricht konzentrieren, weil ihr Vater ihre Mutter umgebracht habe. Ein Junge geißelt sich seit er 5 Jahre alt ist mit Peitschen und Ketten als religiöses Ritual. Ich kann mich vor dem Leben in diesen jungen Menschen nur ganz tief verbeugen! Inzwischen weiß ich von mir, dass es MEINE Aufgabe vor allem ist, mich zu erst um MICH zu kümmern. Z.B. darf ich meine Angst vor Nähe liebevoll und in Mikroschritten verabschieden. Es ist so viel einfacher für mich, mich um andere zu kümmern, als um mich selbst. Mich wirklich zu spüren, im Moment zu sein. Mich immer wieder liebevoll zu umsorgen. Sonst bin ich gar nicht weit genug, um all das anzunehmen, was ich täglich geschenkt bekomme.