Seite auswählen

Am 28.03.2015 verunglückte mein großer Sohn Niklas mit dem Motorrad. Ein Nagel im Reifen des Motorrads ließ die langsam die Luft entweichen, so dass Niklas ins Schlingern kam, und just in dem Moment als er ausrutschte kam ein Auto die Straße entlang, auf der nur wenige Autos fahren. Mein Mann, der voraus fuhr, konnte alles im Rückspiegel beobachten.
Es folgte die schwerste Zeit meines Lebens. Niklas wurde schwer hirn- und rückenverletzt, er wurde ins tiefe Koma gelegt, die meisten Menschen mit solch schweren Verletzungen überleben die erste Nacht nicht.
Niklas war 18 Tage im Koma und starb dann. Ich weiß, unser Junge hat diese Zeit für uns durchgehalten, er gab uns die Möglichkeit, in dieser Situation halbwegs anzukommen, zu realisieren, dass wir uns evtl. verabschieden müssen. Wir durften hoffen, bitten, weinen und kämpfen und letztlich seiner Seele dir Zustimmung geben, dass alles gut ist, zu was auch immer sie sich entscheidet.
Unser Kind, seine Seele, erlaubte es uns ihn letztlich bis kurz vor die Himmelstür zu begleiten.
Unser damals 17-jährige zweiter Sohn Lennart war auch dabei. Ich kann diesen unendlichen Schmerz nicht beschreiben. Und bei all der Trauer, bin ich sehr dankbar, dass wir dieses Geschenk von unserem Kind, von Gott, vom Leben bekamen. Niklas war zu keiner Zeit allein.
Heute fast 3 Jahre später, versuche ich mit diesem Schicksalsschlag so gut wie möglich klar zu kommen, auch wenn es noch so schwer fällt.
Niklas und ich hatten die letzten Jahre einige Kämpfe ausgetragen, ich habe so viel falsch gemacht, ihn nicht verstanden. Hab mich oft nicht unter Kontrolle gehabt, ihn maßlos angeschnauzt und dadurch verunsichert. Ich nagele mich dafür heute voll ans Kreuz und komme voll in dieser Scheiße an. Was bleibt ist die unendliche Liebe für ihn, die immer da war und immer da sein wird bis in alle Ewigkeit. Dieser Gedanke lässt mich ruhiger werden. Fühle dich getragen von unserer Liebe mein geliebtes Kind, das ist mein tägliches Gebet.