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Der schlimmste und schonungsloseste Kampf den man führen kann ist der gegen sich Selbst. Nicht gegen alle Anteile, aber gegen diese, die man verstecken will und sich selbst nicht eingestehen möchte. Dieses Jahr hat mit allen Stürmen das aufgedeckt, was ich lange versteckt hielt und zu dem es mir immer noch schwer fällt zu stehen. Ein Großteil der Menschen bewundern mich dafür, dass ich in so jungen Jahren schon eine gewissen Tiefe besitze und ein so großes Bedürfnis danach habe zu helfen und auch die Fähigkeit dazu. Die Wahrheit ist, dass ich das nur kann, weil verschiedene Arten der Schmerz kenne und erleben musste. Und dafür bin ich (nicht immer) unendlich dankbar. 2017 war ein Jahr der Wahrheit und des Loslassens: ich habe Abitur gemacht, mein Opa ist gestorben, meine kleine (emotionale) Schwester nahm sich das Leben, mir wurde das Herz gebrochen, meine Tante bekam Blutkrebs und zog zu uns, meine Oma hatte ein Herzinfarkt und ich versuchte vergeblich alles zu halten, bis ich mir eingestehen musste, dass ich vor der Vergangenheit nicht weglaufen kann. Denn die Wahrheit ist, ich hatte eine schlimme Kindheit, wurde seelisch, sexuell und körperlich missbraucht und habe immer versucht diesen traumatisierten Teil abzulehnen oder zu bekämpfen, aber die Vergangenheit kämpft mit unfairen Mitteln. Besonders die, die man nicht kennt. Und jetzt fange ich langsam an zu dem zu stehen, der ich trotz allem oder gerade deswegen bin. Und ich wünsche mir und jedem der sich in ähnlich stürmischen Zeiten befindet, Liebe, Kraft und ein helles Licht, das auch die dunkelsten Wege erleuchtet. Denn auch wenn wir in den dunkelsten Zeiten nicht mehr wissen, wohin wir gehen, so haben wir dadurch Zeit zu verstehen, wo wir stehen.