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Mein wertvollstes Fucked-Up liegt jetzt exakt 10 Jahre zurück. Nach dem plötzlichen Unfalltod meines Vaters (mein bis dahin ewig sicherer Fels in der Brandung) trat mein Immunsystem in Streik. Diagnose: Alopecia totalis. Haarverlust am ganzen Körper. Die äußere Schönheit, auf die ich immer besonders geachtet habe und auch stolz darauf war: Puff – zerplatzte. Plötzlich war ich nackt! Keine Kopfbehaarung, keine Augenbrauen, keine Wimpern – Nada. Die äußere Schutzhülle war weg. Kein Jammern, kein Wüten, kein Selbstmitleid und auch kein Arzt konnte mir aus dieser Situation raushelfen. Ich hatte die Wahl: Weiter jammern und dabei verzweifeln und zu Grunde gehen, oder annehmen, was ist, mich dem Ganzen hingeben und das Beste daraus machen. Ich wählte Zweites. Zum ersten Mal in meinem Leben widmete ich mich bewusst meiner inneren Schönheit. Plötzlich entdeckte ich ganz viele Qualitäten, die ich vorher komplett übersehen bzw. ignoriert habe. Ich durfte peu a peu lernen, mich in Geduld zu üben. Und ich vertraute. Mir, meiner Intuition, meinem Mann, meinen Söhnen und dem Leben. Die innere Schönheit war immer da. Die einzigste, die es nicht erkannt hatte, war ich! Diese Erkenntnis habe ich dann ganz bewusst in Bildern festgehalten. Heute – 10 Jahre später – habe ich meine Perücken immer noch im Schrank liegen. Sie erinnern mich an eine mir heilige Zeit, in der ich so viel über mich selbst erfahren durfte. Seit 3 Jahren habe ich wieder eigenes Haar. Kurzhaarschnitt, etwas dünn, doch Eigenhaar. Auch sind Wimpern und Augenbrauen wieder da. ich vertraue mir und meinem Körper. Wenn ich ehrlich bin, möchte ich im Nachhinein keinen Moment dieser schweren, steinigen und erkenntnisreichen Zeit missen, denn diese Jahre haben mich gestärkt, geerdet, achtsam und mutig gemacht. Sie führten mich zu dem wichtigsten Menschen – nämlich zu MIR.